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Würde es das Laer2Share nicht schon geben, man müsste es erfinden

Wenn Du diesen Artikel kurz nach seiner Veröffentlichung liest, findet zur gleichen Zeit im Laer2Share in der Löwengasse 42 gerade ein Ashtanga Vinyasa Yoga-Kurs statt, geleitet von Doris Erben. Liest Du diesen Artikel erst morgen (Mittwoch) Abend, führt Melanie Furch im Laer2Share zeitgleich Englisch-Konversationskurse durch. Und kommst Du überhaupt erst Donnerstagabend zum Lesen (besser spät als nie!), wird im Laer2Share gerade fleißig gewerkelt und repariert, denn dann steht das Repaircafe auf dem Programm.

Würde es das Laer2Share in der Löwengasse nicht geben, man müsste es für die Bewohner des Weissgerbergrätzls in Wien-Landstrasse erfinden. Denn das Laer2Share ist ein Raum, der den Anrainern für ihre Workshops, (Sozial-)Projekte, Vorträge oder Ausstellungen zur Verfügung steht und stundenweise gemietet werden kann. Den Anstoß für das Laer2Share gaben Albert und Wenke vom direkt nebenan gelegenen Lokal Gedöhns. Was das vegetarische Restaurant auf kulinarischem und sozialen Gebiet für das Grätzl leistet, wird im Laer2Share um eine Ebene erweitert. „Fülle den Raum mit deinen Ideen und Projekten“, fasst Albert die Grundidee hinter dem Laer2Share zusammen. Auf diese Weise sollte das leerstehende Lokal nach dem Auszug eines Wettbüros auf kreative Weise bespielt werden, was in beeindruckender Weise gelingt. In Maria und Peter Erlebach hat er mittlerweile zwei Personen gefunden, die die Idee übernommen und mittlerweile die Geschicke des Laer2Share leiten.

Einer der fixen Programmpunkte im Laer2Share ist das jeweils Donnerstagnachmittag angebotene Repaircafe. „Die Regel lautet, das man alles bringen kann, was man selbst tragen kann“, erläutert Maria Erlebach das Konzept dahinter. Ihr Mann Peter sowie vier weitere ehrenamtliche Techniker und Schrauber reparieren im Repaircafe herbeigeschleppte Gegenstände, zumindest sofern es ihre technischen Möglichkeiten zulassen. So wandern jeden Donnerstag Menschen in die Löwengasse, die unterm Arm kaputte Mixer, Plattenspieler, Laptopkabel oder Getreidemühlen tragen. „Wir wollen damit ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen“, sagt Maria Erlebach. Unter den Reparateuren ist auch ein 80-jähriger ehemaliger Techniker der Firma Kapsch, der auf diese Art eine erfüllende Beschäftigung gefunden hat. Alle helfen und reparieren ehrenamtlich, das gilt ebenso für die Gattin des 80-Jährigen, die sich um den Empfang und das Führen des Repaircafe-Buches kümmert. Spenden werden gerne entgegen genommen, denn Raummiete und Beschaffung der Werkzeuge kosten natürlich Geld. Teilweise stehen die Leute Donnerstags bis draußen auf die Löwengasse. Wer an einem Nachmittag nicht mehr drankommt, wird freundlich gebeten, an einem anderen Donnerstag wiederzukommen, denn mangels Lagermöglichkeiten und aufgrund der ehrenamtlichen Tätigkeit der Helfer werden Reparaturen nur live vor Ort im Zeitraum zwischen 14 und 18:30 Uhr durchgeführt. Die Inhaber der kaputten Geräte werden dafür bei Interesse auch in die Geheimnisse der Reparatur eingeführt, es findet also ein echter Know-how-Transfer statt.

Mittlerweile strömen Leute aus ganz Wien zum Repaircafe. „Einmal kam sogar eine ganze Familie aus dem Burgenland, die sich das anschauen wollte“, erzählt Maria Erlebach. Der gute Service hatte sich zwischenzeitlich sogar bis zu einer Tageszeitung herumgesprochen, die einen Artikel über das Repaircafe veröffentlichte – mit ungeahnten Folgen. „Leider wurde auch eine Handynummer abgedruckt“, erzählt Maria Erlebach. „Daraufhin hatten wir nach Weihnachten über zweihundert Anrufe von Leuten, denen etwas kaputt gegangen war. Die riefen teilweise auch schon um fünf in der Früh oder am späten Sonntagabend an.“ Dass das Repaircafe aber keine telefonische Beratung macht, sondern nur einen Vor-Ort-Service in der Löwengasse anbietet, sprach sich dann zum Glück doch noch herum.

laer2share_kastenWährend Peter Erlebach sich den technischen Reparaturen verschrieben hat, bietet seine Frau Maria im Laer2Share Kunst- und Kreativkurse an, bei denen sie kostenfrei mit Leuten arbeitet, „die einfach mal Lust auf etwas Kreatives haben“. Darüber hinaus gibt es im Laer2Share auch psychosoziale Sprechstunden, hin und wieder nutzt auch ein Elternverein aus dem Grätzl den Raum für seine Treffen. Über die Kalenderfunktion auf der Website kann man sich bequem für die einzelnen Stunden oder für die Miete des Raumes eintragen.

Der Basispreis für die Raummiete im Laer2Share beträgt bei Erwerb eines Zehnerstundenblocks und bei Einhaltung fixer Zeiten 12 Euro, die Mindestbuchungszeit beträgt zwei Stunden. Bei einer individuellen Belegung bzw. wechselnden Zeiten werden 16 Euro pro Stunde verrechnet. Die Einnahmen werden für die Abdeckung der laufenden Kosten verwendet. Generell steht der Raum zwischen 8 und 23 Uhr zur Verfügung. „Grundsätzlich sind wir für alles offen und wir finden meistens eine gute individuelle Lösung für Interessenten“, erklärt Maria Erlebach. Vor allem soziale Projekte und deren Initiatoren sowie Kunstprojekte sind besonders gerne willkommen.

Koordinaten:
Laer2Share
Löwengasse 42
1030 Wien
Web: http://laer2share.at
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