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„Das Töpfern hat mich nicht mehr losgelassen“

Manchmal erkennt Magnus Moser schon gleich nach der Begrüßung in der Potteria, ob ein Kunde etwas gelungenes töpfern wird oder nicht. „Wer es schafft, sich die Schürze richtig umzubinden, hat schon mal eine gute Chance, dass auch beim Töpfern etwas herauskommt“, sagt der 39-jährige gebürtige Tiroler mit einem Augenzwinkern.

Natürlich ist handwerkliches Geschick beim Töpfern von Vorteil, doch in der Potteria in der Rasumofskygasse können sich auch Neueinsteiger versuchen. Seine Liebe zum Töpfern hat Moser während eines Studienaufenthalts in den USA (wieder-)entdeckt. Eigentlich wollte er im Jahr 2005 an einer Universität in New Orleans ein Auslandsjahr absolvieren, doch Hurrikan Katrina machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Es verschlug ihn einige hundert Kilometer nordöstlich von seinem eigentlichen Ziel an die Mississippi University in Oxford. Dort wird nicht nur das Erbe von Literaturnobelpreisträger Wilhelm Faulkner gehegt und gepflegt, sondern traditionell auch gerne getöpfert. „Das war cool und hat mir gleich getaugt“, sagt Moser.

2006 kam er zurück nach Österreich. Mit im Gepäck hatte er nicht nur verbesserte Englischkenntnisse, sondern auch den Traum, irgendwann mal mit seinem Hobby Geld verdienen zu können. „Das Töpfern hat mich nicht mehr losgelassen“, erzählt Moser. Als sein Brotjob im beiderseitigen Einvernehmen endete, schritt Moser zur Tat und machte aus seinem Hobby einen Beruf.

potteria_scheibenNeben einem Standort auf der Mariahilfer Straße sah er sich damals auch im dritten Bezirk um. Wo sich heute die Potteria befindet, war früher das Rasumofskystüberl, ein typisches Beisl mit Holzvertäfelung und g’schmackiger Hausmannskost. Moser übernahm das Lokal 2009, den Ausschlag für den Standort gab die nahe Station der U3 (Rochusgasse). Auf einige Monate Umbau folgte die offizielle Eröffnung im Jänner 2010. „Das erste Jahr lief richtig gut, da gab es einen richtigen Hype“, blickt Moser zurück. Danach folgte eine kleine Durststrecke, Moser musste nebenbei einen zweiten Job machen, damit er seine eigenen Mitarbeiter bezahlen konnte. Seit die Do it Yourself-Welle durchs Land schwappt, läuft es bei der Potteria rund. Das Besondere an der Potteria ist, dass man hier nicht nur vorgefertigte Produkte bemalen, sondern selbst mit Ton an der Scheibe arbeiten kann. „Das ist in Wien ziemlich einzigartig“, sagt Magnus. „Man muss bei uns keinen Kurs buchen, sondern kommt einfach vorbei und setzt sich hin. Wir haben hier auch Leute, die mit Anzug und Krawatte hereinkommen und dann mehrere Stunden zur Entspannung an der Scheibe sitzen“, erzählt Magnus.

Das Arbeiten an der Töpferscheibe kann übrigens tatsächlich eine meditative Wirkung entfalten. „Töpfern braucht Zeit und Ruhe“, sagt Magnus. „Durch die Zentrierung des Rohmaterials auf der Scheibe wird man auch selbst ein bisschen zentrierter. Nicht zufällig lieben viele Yoga-Fans das Töpfern.“ Gestört wird der meditative Zustand nur dann, wenn Gefäß oder Form nicht so gelingen wie erhofft. Dann könne es auch schon mal passieren, dass aus Frust ein bisschen Ton durch die Gegend fliegt, erzählt Magnus. Dies geschehe übrigens häufiger bei Erwachsenen als bei Nachwuchs-Künstlern. „Kinder machen das eher intuitiv, während Erwachsene mitunter zuviel Ehrgeiz an den Tag legen“, stellt Magnus fest. Bei Kindergeburtstagen oder Besuchen von Kindergärtengruppen sei es auch immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie ruhig und konzentriert die Kinder zu Gange sind. „Kreatives Schweigen“ nennt Magnus diese spezielle Atmosphäre.

Neben Veranstaltungen für Kinder können auch Firmen- oder Weihnachtsfeiern in der Potteria organisiert werden. Töpferneulinge erhalten eine Einführung und es ist stets Fachpersonal vor Ort, das um Rat gefragt werden kann. Sind die Tonskulpturen erstmal fertig geformt, kommen sie zum Trocknen in einen Nebenraum. Nach zehn Tagen werden sie ein erstes Mal gebrannt, anschließend kann der Kunde zum Bemalen seines Kunstwerks vorbeikommen. Nach einem erneuten Brennvorgang bei über 1.000 Grad ist das Kunstwerk schließlich fertig. Hin und wieder komme es auch mal vor, dass ein Kunde seine Ware nicht abholt. „Umso krummer die Häferl, umso eher werden sie nicht abgeholt“, sagt Magnus. „Das tut uns dann immer ein bisschen im Herzen weh, weil ja viel Energie hineingeflossen ist.“

Koordinaten
Potteria
Rasumofskygasse 16
1030 Wien
Web: www.potteria.at
Potteria auf Facebook
Mail: office@potteria.at
Tel.: 01/7121170

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